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	<title>Bücher &#8211; Gute Literatur am See</title>
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		<title>Claudia Endrich &#8211; Für andere, für uns</title>
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		<dc:creator><![CDATA[MKasperzyk]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 May 2025 06:16:03 +0000</pubDate>
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<p>Bonifatius Verlag</p>
<p>464 Seiten</p>
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<p>Claudia Endrich erzählt das Leben gläubiger katholischer Menschen, die im Dienst der Kirche stehen und dabei ständig mit deren jahrhundertealten Regeln, wie dem Zölibat, Verbot der Abtreibung und der Priesterweihe nur für Männer, in Konflikt geraten. Damit ist der Kreis der Interessenten für dieses Buch schon einmal eingeschränkt, denn das Buch kreist fast ausschließlich um diese Themen: wie umgehen mit den rigiden Vorschriften der Kirche, die als nicht mehr zeitgemäß empfunden werden. Eine gewisse Spannung erhält das Buch durch die Vor- und Rückblenden, wodurch das Leben der kämpferischen Protagonistin Rita erst allmählich klarer hervortritt.<br />
Rita studiert zunächst in Innsbruck Theologie und wird später Pastoralassistentin, obwohl sie lieber Priesterin wäre: hierzu fühlt sie eine innere Berufung. Im Studium lernt sie den Priesteranwärter Sebastian kennen, der ein Leben ohne Frauen, ein Leben für Gott, für andere Menschen gelobt hat. Beide verlieben sich ineinander und sie bekommt ungewollt von ihm ein Kind, das sie abtreiben lässt.<br />
Beide müssen ihre Liebe geheim halten und Rita fordert Sebastian immer wieder auf, sich zwischen ihr und der Kirche zu entscheiden. Nach einigem Hin und Her entscheidet sich Sebastian letztlich doch gegen Rita und für die Kirche, ohne dies Rita offen und ehrlich sagen zu können. Man kann auch sagen: er flüchtet vor dieser Entscheidung: er tritt aus dem Jesuitenorden aus und übernimmt eine Gemeinde bei Paris, weit weg von Innsbruck. Rita erscheint in dem Buch fast immer als die Starke, die die Entschlusslosigkeit und Jammerei der anderen nicht ertragen kann und auf Entscheidungen drängt. Worin ihr spiritueller Glaubensimpuls liegt, wird mir allerdings nicht klar. Sicher, sie will für andere Menschen da sein; aber warum in der Kirche? Ja, sie will Priesterin sein, aber ihr wird nicht ganz zu Unrecht der Vorwurf gemacht, dabei mehr an sich zu denken, als an andere Menschen.<br />
Als Pastoralassistentin kämpft Rita dafür, dass Frauen in der katholischen Kirche völlig gleichgestellt werden und für das Recht auf Priesterweihe. Sie hält bessere Predigten und behauptet vor der Gemeinde, eine Ausnahmeregelung vom Bischof erhalten zu haben. Michael, der Pfarrer der Gemeinde, deckt das Ganze, weil auch er die Regeln der Kirche nicht strikt einhält. Denn er hat ein Verhältnis zur Yogalehrerin Simone. Auch die beiden leiden sehr unter der Heimlichkeit der Beziehung. Rita bestärkt eine junge Frau, ein ungewolltes Kind abzutreiben. Schließlich ist da noch Fabian, der homosexuelle Religionslehrer, der seine Beziehung ebenfalls vor der Öffentlichkeit verdeckt halten muss. Das ganze Leben von Rita dreht sich also um die hohen Mauern des Kirchenrechtes, die dem Einzelnen ein freies und glückliches Leben versperren. Ich als Leser empfinde diesen einseitigen Blick auf das Leben Ritas, das doch viel reicher und bunter sein müsste, fast schon als politisches Manifest.<br />
Das Buch von Endrich macht den Gedanken stark, dass Alles zusammen gehört. Rita und Sebastian, die Liebe zwischen zwei Menschen, ihr Glauben und ihre kirchlichen Aufgaben. Warum soll man dies trennen? Das ergibt doch keinen Sinn, so heißt es an einer Stelle. Die Gegenseite in der Figur des konservativen Grantlers „Zauner“ kommt dagegen nicht gut weg, denn hier zählt nur die Meinung: die kirchlichen Regeln waren schon immer so und so soll es bleiben. Hier also die Guten, dort die Schlechten? Ob diese Einseitigkeit dem Buch gut tut, bezweifel ich.</p>
<p>Martin Kasperzyk/Juni 2025</p>
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		<title>Manfred Koch &#8211; Rilke, Dichter der Angst</title>
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		<dc:creator><![CDATA[MKasperzyk]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 31 Mar 2025 05:33:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
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<p>C. H. Beck Verlag</p>
<p>560 Seiten</p>
</div></section></p></div><div  class='flex_column av-2r5lqv-d28ceb17c2b8f2a213a12421bc022044 av_two_third  avia-builder-el-8  el_after_av_one_third  avia-builder-el-last  flex_column_div  '     ><section  class='av_textblock_section av-lwfbqyf9-c83b0a1f7fd945cef2c152cd48e68e07 '   itemscope="itemscope" itemtype="https://schema.org/BlogPosting" itemprop="blogPost" ><div class='avia_textblock'  itemprop="text" ><p>Rilke &#8211; Dichter der Angst</p>
<p>Manfred Koch legt hier eine vorzügliche Biographie Rainer Maria Rilkes vor, weil er Leben und Werk gegenseitig eng verschränkt, was gerade bei diesem Künstler, der sein Leben ganz der Dichtkunst gewidmet hat, sehr angemessen ist.</p>
<p>Der Autor gibt freilich auch zu, dass er – das dürfte für die meisten Leser Rilkes gelten – nicht immer mit gleich großer Begeisterung ein Rilke-Leser war. Noch während seines Studiums fand der Autor die Gedichte parfümiert und den religiösen Verkündigungston seiner Verlautbarungen zur Kunst albern. Zum Glück hat sich dies später geändert.</p>
<p>Der Blick durchs Schlüsselloch ins Private wird in dem Buch immer wieder umgewendet und gebrochen durch den Blick auf Rilkes Schreibtisch und umgekehrt. Es mag zwar interessant sein, wenn man weiß, woher etwa die Ängste Rilkes kamen, die ihn lebenslang begleiteten, aber diese sind für uns ja nur bedeutsam, insofern wir es auch mit literarisch geformten Ängsten tun haben. Rilke als Dichter der Angst vorzustellen, mag auf den ersten Blick überraschen. Manfred Koch kann seine These aber gut begründen, nicht nur mit Verweis auf Rilkes Angst-Buch „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“.</p>
<p>Die Biographie leuchtet auf 476 Textseiten und einem ausführlichen Anhang viele Details aus, ohne sich in ihnen zu verlieren, und sie arbeitet besonders die großen Lebenslinien des Dichters heraus, seine lebenslangen Obsessionen und Eigenarten. Woher kamen diese? Sicher auch aus einer schwierigen Kindheit und dem schwierigen Verhältnis zur Mutter. Rilke, so der Autor, litt gar lebenslang an einer „Muttervergiftung“. Gleichwohl prägte sie ihn auch, so hatte er von der Mutter die Eigenschaft mitbekommen, zeitlebens Wert auf ein makelloses äußeres Erscheinungsbild zu achten und den Wert auf ein schönes Ambiente zu legen sowie eine lebenslange Affinität zur Adelswelt.</p>
<p>Obwohl ihm oft das Geld fehlte, hielt er mit erstaunlicher Unbeirrbarkeit am Lebensstil eines Edelmannes fest. In der Eisenbahn fuhr er Erste Klasse, stieg in den besten Hotels ab und erwartete stets, von Dienern umsorgt und von Köchinnen vegetarisch-verständig bekocht zu werden. Diese elitäre Haltung ist zwar wenig sympathisch, aber der Autor hält Rilke zugute, dass darin seine enorme Schutzbedürftigkeit zum Ausdruck kam. Denn in dieser Haltung kamen ihm die Menschen nicht zu nahe, hier waltete ein anerkannter Sinn für Distanz und Diskretion. Rilke suchte also im Luxus nicht die Protzerei, sondern Geborgenheit und Heimat. Schließlich verstand er es auch mit dieser Eigenart, ein Beziehungsnetz mit adligen Familien zu knüpfen, ohne welches er vielleicht nie derart literarisch produktiv geworden wäre.  Natürlich lernt der Leser dieser Biographie dann auch die wichtigsten Bezugspersonen Rilkes kennen, zu denen nicht zuletzt auch der Verleger Anton Kippenberger gehörte.</p>
<p>Nach dem anfänglichen Schock der Großstadt wurde Paris später sein geliebter Ankerplatz, zu dem er immer wieder gerne zurück kehrte. Jenen persönlichen Schock spürt jeder Leser seiner „Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“. Es ist eine der ersten Romane, in dem virtuos der Ekel ästhetisiert wird. In diesen Rahmen stellt Manfred Koch auch Rilkes Gedicht „Der Panther im Jardin des Plantes, Paris“, in dem der Panther als eine Unglücksfigur wie die menschlichen Elendsgestalten gezeichnet ist. Das Gedicht schafft ein Stimmungsbild der Ausweglosigkeit und den Eindruck einer maschinenhaften Motorik.</p>
<p>Eine lebenslange Obsession Rilkes war das Nicht-festgelegt-werden-Wollen vor allem durch die, die einen lieben. Hier deutet sich an, dass das persönliche Lebensglück und das literarische Gelingen bei Rilke in einem umgekehrt proportionalen Verhältnis zueinander standen, sehr zum Leidwesen der vielen Frauen. Von daher ist auch Rilkes Nähe zu Hölderlin verständlich, denn beide sind gefährdete Grenzgänger in jener Zone, in der Schönes und Schreckliches unentwirrbar ineinander übergehen. Der Weg durch die Hölle sei nun einmal sein Königsweg zur Kunst, so Rilke. Oder, um ein anderes Bild zu verwenden: je verzweifelter Rilke wurde, desto besser wurden seine Texte. Fallen und Steigen in eins. Die Fontäne ist nicht umsonst eines der Lieblingsmotive seines Werkes.</p>
<p>Rilkes Glück lag allein im gelingenden Schreiben, er lebte hin auf einer jener Inspirationen, die er so oft im Herbst und nach erlebtem (meist kurzem) Liebesglück mit Frauen erfahren hatte. Der Dichter ging in manchen Jahren eine erstaunliche Fülle neuer Beziehungen zu Frauen ein, sie waren zwar überwiegend nicht intim, wurden aber oft in einem leidenschaftlichen Stil brieflich zelebriert. Rilke konnte unwiderstehlich auf Frauen wirken, deren Schönheitsempfinden in erster Linie der Sprache galt. Das sexuelle Verhältnis zu den Frauen bestand oft nur wenige Wochen oder Monate. Rilke war aber keineswegs der aktive Verführer, er geriet &#8211; halb gezogen &#8211; in Beziehungen hinein, aus denen er sich meist nach einer kurzen Zeit der Euphorie wieder lösen wollte.</p>
<p>Rilke sah in der Liebe immer die Gefahr des Hineingezogenwerdens in einengende Beziehungen. Liebe &#8211; das sollte eine weitgehende, die Schranken der Persönlichkeit aufbrechende Erfahrung sein, die kosmische Kräfte ins Ich einfließen lässt. Die Gefahr, einer Person verhaftet zu bleiben und nicht die gewünschte Weite zu gewinnen, hielt Rilke für die allergrößte. Er war daher jemand, der in seinen Liebesbeziehungen immer auf dem Absprung zum Schreibtisch war und von der Verliebtheit nur den nötigen Anstoß mitnehmen wollte. Dem Künstler kam es darauf an, in der Liebe erweckte große Gefühle nicht zu leben, sondern sprachlich produktiv zu machen. Rilke nannte das selbst die Feindschaft zwischen dem Leben und der großen Arbeit.</p>
<p>Dabei war die literarische Anfangsphase keineswegs vielversprechend, denn Rilke schrieb wirklich miserable Gedichte: gestelzt, süßlich, altklug, sentimental, kurz: peinlich, sind nur einige der Adjektive. Hiervon befreite ihn erst die 15 Jahre ältere und verheiratete Lou Andreas-Salome, die die wichtigste Frau in Rilkes Leben wurde. Von 1897 bis 1900 waren sie ein Liebespaar. Ihr verdanken wir übrigens einige der klügsten Beschreibungen des Charakters von Rilke: „dieser Dichter des Überzartesten war robust, ja brutal, wenn es um die Durchsetzung seiner literarischen Berufung ging.“</p>
<p>Erst durch Lou Andreas-Salome und später Rodin lernte er, dass Gedichte aus reichhaltigen Erfahrungen inspiriert sind. Um eines Verses willen müsse man viele Städte sehen, Menschen und Dinge. Auch das ruhige, sachliche Schauen unter Abkehr von spontanen Gefühlsreaktionen hatte er in der Schule Rodins gelernt. Mit seinen sogenannten Dinggedichten gelang es Rilke, sich von direkten Gefühlsaussagen zu befreien und alles subjektive Empfinden in die Gestaltung des Dinges verlegen. Ein Ding im emphatischen Sinn war für Rilke ein Gegenstand, der mit dem Raum kommuniziert, Weite um sich schafft. Und dies gelingt dem Ding, sobald es kein gewöhnlicher Gebrauchsgegenstand mehr ist, sondern sich gegen die Alltagswelt in sich selbst abschließt. Dinge in diesem emphatischen Sinne lassen keine Konsumtion zu, die alles sofort auf bekannte Inhalte, Stoffe oder Ideen reduziert.</p>
<p>Dann wollte Rilke auch von Bewegung erfüllte, von Energien durchdrungene Dinge, schaffen. Kunst muss nach Rilkes Ansicht wirken, so existenziell- erschütternd, dass ihre Erfahrung nur mit der Wucht religiöser Erweckungserlebnisse vergleichbar ist. Dies erläutert Manfred Koch an Rilkes Gedicht Archaischer Torso Apollos. Das Hervorbringen von Kunstwerken war für Rilke ein religiöser Akt, gleichgültig ob die Künstler an Gott glauben oder nicht. Der Künstler hat sich den dunklen Kräften am Grunde seiner Seele anheimzugeben, um aus ihnen heraus immer neue Gestalten zu erschaffen. Das Beharren auf dem Wunderbaren und allem Willentlichen entzogenen Geschehen in den Tiefen der Seele war existenziell wichtig für Rilke.</p>
<p>Zur Besonderheit seiner Gedicht gehört auch die eigenartige Naturerfahrung als ein rhythmisches Ereignis. Rilke hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass sein Schreiben vom Klang und Rhythmus der Wörter als Spiegelung dieser Naturerfahrung lebte. Welt strömt in sein Inneres hinein und wird Empfindung und Wort. Ein Bergrücken, der wie wir umgangssprachlich sagen, sich zu einer Wiese „neigt“, das war in solcher Wahrnehmung ein wirkliches Sich-Hinabbegeben und emotionales Zu-Neigen. Ein solches Fühlen und Erfühlen der Dinge braucht Zeit und Erfahrung, die in den Augen Rilkes in der modernen Welt immer mehr vernichtet wird. Seine Weltsicht fühlte er durch die permanente Steigerung der Veränderungsgeschwindigkeit in der kapitalistischen Gesellschaft verloren gehen.</p>
<p>Zur eigenartigen Naturerfahrung  gehört es bei Rilke auch, sie als All-Einheit zu sehen, wozu auch Leben und Tod gehört. Rilke deckt den Unterschied nicht gänzlich zu, ist aber bemüht, ihn zu versöhnen, ohne auf das christliche Konzept des jenseitigen Lebens zurück zu greifen. Ganz diesseitig, weltlich dient der Tod dem Leben, indem er es vitaler macht und offen hält für eine Erweiterung der Erfahrung.</p>
<p>Fazit: eine klare Leseempfehlung für dieses hervorragende Buch, weil es gelehrt ist und sich trotzdem leicht lesen lässt.</p>
<p>Martin Kasperzyk/ im April 2025</p>
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		<title>Jonas Lüscher &#8211; Ins Erzählen flüchten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[MKasperzyk]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Mar 2025 07:15:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
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<p>C. H. Beck Verlag</p>
<p>111 Seiten</p>
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<p>Ins Erzählen flüchten</p>
<p>Jonas Lüscher skizziert in dieser überarbeiteten Fassung seiner Poetikvorlesung aus dem Jahre 2019 an der Hochschule St. Gallen im Wesentlichen den Gegensatz zwischen dem Narrativen und dem Messbar-Wissenschaftlichen. Gleichzeitig verbindet er diese Reflexionen mit seinem persönlichen Weg von der universitären Philosophie ins dichterische Schreiben. Die Frage, ob man der dichterischen Erzählung oder dem wissenschaftlichen Denken verpflichtet sein soll, ist ein zentrales Motiv für den Schriftsteller Lüscher.</p>
<p>Der genannte Gegensatz, in dem zwei ganz unterschiedliche Arten der Weltbetrachtung aufeinander treffen, kann durch weitere Begriffe verdeutlicht werden: Widersprüchlichkeit und Widerspruchsfreiheit, Eindeutigkeit und Mehrdeutigkeit, Mythos und Logos, Erklären und Beschreiben, das Allgemeine und der Einzelfall. Alleine hierüber könnte man ganze Bücher schreiben.</p>
<p>Der Autor jedenfalls beginnt ganz am Anfang der europäischen Geistesgeschichte, nämlich mit der homerischen Welt, die erfahrungsgesättigt und am Einzelfall interessiert ist. In dieser Welt geht es noch nicht darum, von einer Erscheinung zum wahren Wesen einer Sache vorzudringen. In ihr dringt nun aber (Lüscher stützt sich hier auf Feyerabend) der Philosoph Parmenides ein. Mit ihm beginnt ein priesterliches Sendungsbewusstsein und ein eindeutiger Bildungsauftrag, der sich nach der allgemeingültigen Wahrheit richtet. Erfahrung wird als trügerisch gebrandmarkt und auf der Suche nach der Wahrheit solle man sich besser nicht von ihr leiten lassen. Das logische Argument ist wichtiger als die Erfahrung. Das Werk von Parmenides stellt somit eine Zäsur dar für das Selbstverständnis des Menschen, auf die sich dann später auch Platon stützt mit seinem Vorwurf der narrativen Beliebigkeit des dichterischen Werkes. Dass Narrative wird von ihm gar als moralisch schädlich gebrandmarkt. Mit ihm siegt der Logos endgültig über den Mythos. Wie der Autor selbst bemerkt, ist dieser Parforceritt durch die Geistesgeschichte freilich etwas holzschnittartig und sehr vereinfachend.</p>
<p>In der Neuzeit, so der Autor, ist das mathematisch- naturwissenschaftliche Weltbild vorherrschend. Gefährlich wird dann heute in Zeiten des Internets der vorherrschende Drang, sich auf das Messbare zu verlassen, weil wir dazu neigen, den überaus komplexen Bereich des Lebensweltlichen zu simplifizieren und zu trivialisieren und dabei den Einzelfall und das Individuum zu marginalisieren. Das Diktum der Vermessbarkeit und Vergleichbarkeit bedeutet nämlich, das Schwierige, Sperrige, Komplexe und Widerspenstige auszuschließen. Geliefert wird das Erwartbare und das leicht Konsumierbare. Wir laufen übrigens auch Gefahr Wichtiges zu übersehen, weil es sich eben nicht messen lässt.</p>
<p>Man muss darin eine quantitative Verblendung sehen, wogegen sich dann das Narrative als Gegenentwurf zur Rationalität und Messbarkeit der Welt versteht. In Geschichten erzählen wir daher dasjenige, was sich diesem Diktum entzieht, wir erzählen das, was in der Abstraktion in Vergessenheit gerät. Es gibt eben Dinge, die sich weder verstehen noch befriedigend beschreiben lassen. Dinge, die sich dem Verstand entziehen, dass Unbestimmbare, das Dunkle und Unvernünftige.</p>
<p>Auf der anderen Seite hat freilich auch das Narrative seine Schattenseiten. Denn es erhebt sich der Vorwurf, dass Narrative sei inflationär, die Erzählung sei allgegenwärtig und verantwortungslos, weil sie zur autoritären Machtausübung missbraucht werden kann. Zu nennen ist hier der missbräuchliche Monomythos, wie Beispiel der, dass die USA „the greatest country in the world“ seien. In solchen Mythen soll die kritische Distanz durch emotionale Nähe und die Bestätigung vorgefasster Meinungen abgelöst werden. „Am einfachsten packt man den Leser im Genick, in dem man seine Nase tief in den Sumpf seiner eigenen Ressentiments und Ängste drückt.“ Monomythen geschickt einzusetzen, ist daher die Strategie populistischer Politik.</p>
<p>Das Erzählen von Geschichten ist demnach nicht so unschuldig wie es erscheint. Einerseits gibt es eine Suggestivkraft, die missbräuchlich verwendet werden kann, andererseits ist es die Stärke der Erzählung, dass man sich darin verlieren und versenken kann, sich von ihr berühren lässt.</p>
<p>Lüscher flüchtet sich dennoch ins Erzählen, ins Erzählen in einem guten Sinne freilich, in dem das Vage im Vagen bleiben darf und der Zufall zu seinem Recht kommt.</p>
<p>Die Stärke von Lüschers Ausführungen liegen darin, dass sie dem Leser in aller Deutlichkeit unterschiedliche Sichtweisen auf die Welt vor Augen führen. Sichtweisen, die ihre Berechtigung haben, aber auch immer kritisch hinterfragt werden müssen. Wissenschaft und Narration können jedenfalls ganz gut nebeneinander und auch bestens miteinander bestehen.</p>
<p>Martin Kasperzyk/ März 2025</p>
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		<title>Botho Strauss &#8211; Herkunft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[MKasperzyk]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Feb 2025 06:42:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
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<p>Carl Hanser Verlag</p>
<p>96 Seiten</p>
</div></section></p></div><div  class='flex_column av-2r5lqv-d28ceb17c2b8f2a213a12421bc022044 av_two_third  avia-builder-el-8  el_after_av_one_third  avia-builder-el-last  flex_column_div  '     ><section  class='av_textblock_section av-lwfbqyf9-c83b0a1f7fd945cef2c152cd48e68e07 '   itemscope="itemscope" itemtype="https://schema.org/BlogPosting" itemprop="blogPost" ><div class='avia_textblock'  itemprop="text" ><p>Botho Strauss &#8211; Herkunft</p>
<p>Geboren am 2. Dezember 1944 in Naumburg gehörte Strauss in Deutschland vor allem in den 1970er bis 1990er Jahren zu den erfolgreichsten Dramatikern, seine Stücke wurden auf deutschen Theaterbühnen oft gespielt. In seinen Publikationen, es sind meist essayistische und aphoristische Texte, zeigt er sich immer wieder als genauer Beobachter zwischenmenschlicher Beziehungen und gesellschaftlicher Entwicklungen, aber auch als Demokratie- und Zivilisationskritiker, wie etwa im Essay „anschwellender Bocksgesang“, der 1993 im Spiegel erschienen ist. Heute lebt er zurückgezogen in der Uckermark.</p>
<p>Anstatt einer Übersicht über Leben und Werk von Botho Strauss &#8211; eine solche lässt sich leicht im Internet nachlesen – soll es hier in der gebotenen Kürze um ein einziges Werk von ihm gehen.</p>
<p>Das hier zu besprechende Buch „Herkunft“ hat Botho Strauss in seinem 70. Lebensjahr im Jahre 2014 veröffentlicht. Es ist ein Erinnerungsbüchlein von nicht einmal 100 Seiten – ein zartes Andenken an die eigene Kindheit und Jugend im Rheinland-Pfälzischen Badeort Ems in den 50er und 60er-Jahren und vor allem ist der Text eine liebevolle Hommage an den Vater. In der Beschreibung des Vaters leuchtet uns aber auch einiges entgegen von dem, was den Sohn selbst auszeichnet.</p>
<p>Aber über diese persönliche Vater-Sohn-Beziehung hinaus ist das Buch auch ein gescheites und unsentimentales  Nachdenken über das, was wir Erinnerung nennen.</p>
<p>Zunächst erfahren wir einiges über die Marotten und Eigenarten des Vaters, der im Ersten Weltkrieg ein Auge verlor und später Pharmareferent wurde und seine  Gutachten zu Hause am heimischen Schreibtisch schrieb. Die gründliche Morgentoilette und der Krawattenknoten mit Einsteckperle sowie die Tatsache, dass er sich zu Hause stets sorgfältig gekleidet an seinen Schreibtisch setzte, weisen ihn als peniblen und akkuraten Menschen aus. Dem Sohn, der seinen Vater lieber gewöhnlicher und nicht so vornehm haben wollte, missfiel dies. Dem Vater jedoch ging es darum, Figur zu machen, sich abzuheben von den gewöhnlichen Zeitgenossen, die sich seiner Meinung nach vernachlässigten. Der Tagesablauf, so schreibt Strauss, war streng geregelt und der Uhr unterworfen. Gegen 12:30 Uhr das Mittagessen, anschließend Lektüre der Tageszeitung, dann zwischen Eins und Drei schlafen, wobei niemand anrufen durfte und an der Tür hing ein Schild „von Eins bis Drei wird nicht geöffnet.“</p>
<p>Es war noch eine Zeit, in der man zum Gruß den Hut zog. „Alle hatten noch ihre Art, ihr reputierliches Benehmen, keine Hand in der Hosentasche und selbstverständlich eine tiefere Verbeugung vor den Lehrern.“ Doch Strauß wäre nicht Strauß, wenn er aus dieser Beschreibung nicht auch eine kleine Lebensweisheit ziehen würde, wie diese: die Behausung und die bergenden Zeremonien waren das, was die Institutionen für die Gemeinschaft bedeuten.</p>
<p>Der Sohn hatte im Grunde ein gutes Verhältnis zum Vater. „Viele Fragen habe ich meinem Vater gestellt und habe immer gute Antworten bekommen.“ Was die Lektüren des Vaters angeht: Thomas Mann war zwar sein bevorzugter Autor, aber er „verriet auch eine fatale Neigung zu harmloser Heiterkeit in der Literatur.“ Der Vater veröffentlichte sogar ein Buch, ein einziges Buch, mit dem Titel „nicht so früh sterben!“</p>
<p>Strauss verschweigt aber nicht den schwierigen Charakter des stolzen Vaters, der zu den Menschen oft abweisend war. Ein kantiger Mann, der lieben und hassen konnte, schwermütig und herrisch war er, jedenfalls kein Anwalt des Sowohl-als-auch. Er war ein „Volksverächter mit törichten Verblendungen, aber niemals ein Rohling.“ Ein grimmig und kraftvoll Unzeitgemäßer war er. Kraftvoll noch in seinen läppischen Empörungen und Irrtümern, so Strauss. „Herkunft“ ist jedoch keine persönliche Abrechnung, sondern ein Buch voller Verständnis für den konservativ und aus der Zeit gefallenen Vater. Denn nach dem Tod des eigenen Vaters fehlte ihm das Geld, um sein Medizinstudium fortzusetzen. Sein Leben war eines harter Versagung: Krieg, Verwundung, verjagt aus der Heimat im Osten und schließlich ein ungeliebter Beruf.</p>
<p>Der Sohn bringt aber mehr als ein bloßes Verständnis für den Vater auf, denn er blickt auch mit großer Dankbarkeit und voller Empathie auf ihn. So schreibt er etwa über scheinbar so Nebensächliches und Peripheres, wie die Hände seines Vaters: diese Hände „gaben mir einen Sinn dafür, dass das Herz eines Menschen vordringen kann bis in seine äußeren Gliedmaßen.“ Gliedmaßen von Güte und Mut. „Die Hand hat mich gestraft und liebkost; sie hat mir die ersten Blumen gewiesen und die erste Zeile im Buch.“</p>
<p>Besonders eindrücklich schildert Strauss, wie er als nun selbst alt gewordener Mensch auf den Tod des Vaters zurückblickt. Daher sei dieses etwas längere Zitat hier erlaubt: „Ich habe deinen Tod nicht zu mir genommen damals, im Jahr des Aufbruchs, 1971. Ich war zum Vorwärtsblicken unterwegs, und die Trauer beugte mich nicht. Ich dachte auch, er käme dir recht. Ich sah, dass du zuletzt genug hattest und dir das Leben zu schwer wurde. Sicher, nur um mich vor dem Angriff des Schmerzes abzuschirmen, habe ich dich für erlöst erklärt. Erst langsam bin ich dann hineingewachsen in deinen Tod … Du einzige Quelle meiner Erinnerung!“</p>
<p>Es sind solche schönen und wahren Sätze, die die Texte von Strauss lesenswert machen. Es sind solche Perlen, die man immer wieder findet in manchmal unbedeutender, zuweilen auch fragwürdiger Prosa.</p>
<p>In der Rückblende auf den Tod des Vaters verquickt sich der eigene selbstbezüglich-jugendhafte Aufbruch des Damals mit dem Selbstvorwurf des Älteren von Heute, nämlich dem Sterben und Tod des Vaters nicht gerecht geworden zu sein. Und gleichzeitig ist da eine Erkenntnis, das damalige Nichtzulassen nachträglich doch in sich aufgenommen zu haben.</p>
<p>Aus dem Resonanzraum seiner Erinnerungen gewinnt Botho Strauss so immer wieder weise und kluge Einsichten. So deutet er seine Erinnerungen als Pfad, auf dem der Vater herüber kommt ins Jetzt und auf dem er zugleich wieder zurückgeht ins Vergangene.</p>
<p>Eine weitere wertvolle Einsicht ist die geheimnisvolle Spiegelung von Fernweh und Heimweh in der Erinnerung, denn das Gedächtnis -so Strauss- ist eine „Variable der Sehnsucht“ nach beidem, eine Variable, in der beides immer gleich unerreichbar bleibt. Denn indem man sich zurückversetzt in jene fernen Tage, als jedes Ding noch im „Geruch der Unschuld“ stand, will man Nähe, die aber nie erreichbar ist.</p>
<p>Das, was war, liegt immer fern der Gegenwart, es ist auch in der Erinnerung ein „unbezwingbares Reich“. Wir blicken, so Strauss, in unsere Frühe wie in die blaue Kugel des Magiers, betrachten unser abgetrenntes und umschlossenes „Weltlein“. Und erzählen wir von dem Verlorenen, wollen wir es teilen mit anderen, stellen wir fest, niemand kann da mit hinein. Die Kugel mit dem eigenen Weltlein bleibt rundum Mein und unzugänglich für jeden anderen.</p>
<p>Und noch etwas kommt hinzu: wer seine Erinnerungen anderen erzählt (wie es Strauss in seinem Büchlein „Herkunft“ tut), befindet sich nicht mehr im unmittelbar- überwältigenden Zustand der Erinnerung, sondern bereits in der reflektierten Distanz dazu. Erinnerung und erzählte Erinnerung sind nicht identisch.</p>
<p>In der Erinnerung an die Eltern zeigt sich schließlich auch etwas, was wir alle mehr oder weniger an uns selbst erleben. Es ist die Verwunderung, dass die frühe Prägung langsam, aber unerbittlich im Alter ihre Wirksamkeit entfaltet. „Man altert geradewegs in das hinein, was man einst als rettungslos veraltet empfand.“ Wir sind, wie wir da sind, von gestern her.</p>
<p>Und dies „Von-gestern-her“ ist im Werk von Botho Strauss in der Tat eines der zentralen Motive: es ist der Impuls, man müsse gegen alle Widerstände des flüchtigen Zeitgeistes unbedingt unsere prägenden Traditionen in Kunst und Literatur bewahren und weitertragen. Nicht um ihrer selbst willen, sondern unseretwegen.</p>
<p>Martin Kasperzyk/ Februar 2025</p>
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		<title>Adam Zagajewski</title>
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		<dc:creator><![CDATA[MKasperzyk]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 Dec 2024 09:15:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
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<p>Carl Hanser Verlag</p>
<p>204 Seiten</p>
</div></section></p></div><div  class='flex_column av-2r5lqv-d28ceb17c2b8f2a213a12421bc022044 av_two_third  avia-builder-el-8  el_after_av_one_third  avia-builder-el-last  flex_column_div  '     ><section  class='av_textblock_section av-lwfbqyf9-c83b0a1f7fd945cef2c152cd48e68e07 '   itemscope="itemscope" itemtype="https://schema.org/BlogPosting" itemprop="blogPost" ><div class='avia_textblock'  itemprop="text" ><p>Adam Zagajewski – Verteidigung der Leidenschaft</p>
<p>Die in diesem Buch versammelten Essais kann man einerseits als einfühlsame und wertschätzende Hommage des Autors an befreundete Menschen lesen: Jozef Czapski, Zbigniew Herbert oder Czeslaw Milosz. Für die meisten deutschen Leser dürfte jedoch etwas anderes wichtiger sein. Es sind dies  wesentliche Einsichten in das künstlerische Schaffen. Zagajewski kann hier aus seinem erfahrungsgesättigten Leben als Dichter schöpfen.</p>
<p>Am besten lässt sich dies an Platons <em>Symposion</em> mit Diotimas klassischer Rede über die vertikale Wanderung der Liebe verdeutlichen. Platon verwendet den Begriff <em>metaxu</em>, in dem das Dazwischen-Sein erfasst wird; ein Zwischenraum zwischen unserem gewöhnlichen Alltag und der aufregenden und erregenden Transzendenz und dem Geheimnis des Göttlichen. Beides ist notwendig. Nie können wir uns in der Transzendenz auf Dauer niederlassen. Diotima ermutigt uns zwar zu Recht, der Schönheit und Wahrheit entgegen zu gehen, doch wir müssen täglich wieder hinunter steigen in die Normalität. Wie Zagajewski es plastisch beschreibt: in den höchsten, schneebedeckten Alpenregionen wird sich niemand ansiedeln und dort länger seine Zelte aufschlagen. Nach der Epiphanie, nach der Niederschrift eines Gedichtes – so der Autor &#8211;  gehen wir in die Küche und überlegen, was wir zu Mittag kochen. So pendeln wir unablässig zwischen dem inspirierten Platon und dem sachlichen Aristoteles. Denn oben droht Wahnsinn und unten Langeweile. Wir befinden uns stets „dazwischen“ und permanent in Bewegung. Poesie versteht Zagajewski als diese Bewegung des „dazwischen“. Sie kann daher auch nicht unsere Alltagssprache sprechen, sondern sie bedient sich dabei eines „hohen Stils“, der aus dem permanenten Dialog zwischen dem Reich des Geistigen und unserem Alltag erwächst.</p>
<p>Herausragende Poesie berücksichtigt daher immer zwei Dinge: das, was ist, und wie wir Menschen sind, die Eitelkeit und Dummheit von uns selbst und unserer Nächsten, aber auch das Streben nach einer höheren Welt, einer höheren Ordnung. Es ist ein Konflikt zwischen der nie endgültig erfahrbaren Wahrheit und Schönheit, zwischen nüchterner Analyse und religiöser Verzückung, zwischen Denken und Inspiration. In Thomas Manns Zauberberg sieht Zagajewski diesen Zwiespalt auf die zwei Personen Naphta mit seiner metaphysischen Unruhe und dem erregenden philosophischen Schauer, den wir zuweilen bedürfen, und den braven Humanisten Settembrini aufgeteilt.</p>
<p>Die Poesie streckt sich also immer aus zu diesem inspirierten metaphysischen Geheimnis, sie ist verdammt dazu, mit dem Geheimnis zu leben, verdammt zu ewig anregender Ungewissheit. Angeregt zu Metaphern, die das lodernde Feuer des Geheimnisses stets umkreisen und am Leben erhalten.</p>
<p>Am Ende des Lebens weiß man dann zwar immer noch nichts. Es ist das Gefühl, dass das Geheimnis, welches die wichtigeren Dinge umschließt wie Zeit, Liebe, das Böse, das Schöne, die Transzendenz, jetzt, da man alt und erschöpft ist, noch ebenso unergründlich ist wie in stürmischer Jugend. Nichtwissen ist dann aber kein Zustand passiver Unwissenheit, sondern eher eine eigene geschaffene Atmosphäre, ein Denkraum. Es ist nicht das Wissen des schläfrigen Tölpel noch das Nichtwissen eines angeklagten Ministers. Das Gegenteil dieser sokratischen Atmosphäre ist das scheinbar sichere und durch Lebenserfahrung bestätigte Wissen der Alten, die sich in ihren kleinen Gewissheiten behaglich eingerichtet haben.</p>
<p>Für Zagajewski ist Kunst nicht denkbar ohne dieses Angetriebensein durch die Sehnsucht nach Größerem, nach Epiphanie, nach Ekstase und nach einem höheren Sinn. Im Gemälde „Die Mutter“ von Pieter de Hooch ist diese Sehnsucht des Künstlers im Mädchen, das im Hintergrund des Bildes steht, ausgedrückt. Indem sie im Licht steht und in den Lichteinfall schaut, steht sie im Banne eines Zaubers, der sie aus der realen Welt reißt. Dunkel erahnt sie ein ganz anderes Leben, eine transzendente Unendlichkeit, in der die ganze Wahrheit des Lebens steckt.</p>
<p>Es geht dem Künstler also immer um ein Gefühl der Nähe zu etwas, was nicht in Worte zu fassen ist. Aber der Poet versucht dies trotz alledem, indem er Gedichte schreibt, indem er eine Ganzheit der Welt dichtet, eine Welt, wo es Göttlichkeit und Schmerz, Verzweiflung und Freude in Eins gibt. Während die Profis unserer Welt nur ein einziges Thema glänzend beherrschen. Wie der Autor schön formuliert: Sie studieren das Feuer, beschreiben aber können Sie nur die Asche.</p>
<p>Im Januar 2025</p>
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		<title>Joseph Roth &#8211; Tarabas</title>
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		<dc:creator><![CDATA[MKasperzyk]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Dec 2024 15:44:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
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<p>KiWi-Taschenbuch</p>
<p>208 Seiten</p>
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<p>von Joseph Roth</p>
<p>Joseph Roths dramatische Erzählung ergreift den Leser von der ersten Zeile an und bannt ihn sofort in die Geschichte vom unbändigen Nikolaus Tarabas. Die Handlung des 1934 erschienenen Romans beginnt in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg in New York. Hier lebt der Katholik Nikolaus Tarabas, der aus dem galizischen Dorf Koryla stammt.</p>
<p>Als abergläubiger Mensch sucht er eines Tages eine Wahrsagerin auf, die ihm sein unglückliches Schicksal voraus sagt: „Sie werden ein Mörder sein und ein Heiliger.“ Wie mehrfach in dem Roman werden damit zukünftige schicksalhafte Ereignisse im Leben von Tarabas bereits vorher dunkel angedeutet. So heißt es an anderer Stelle: eines Abends beging er eine Gewalttat, die den Lauf seines Lebens verändern sollte. Dieses Stilmittel der Prophetie, in dem in etwas geheimnisvolles vorausgeleuchtet wird, erhöht die Spannung, passt aber auch gut in die religiöse Grundstimmung der Erzählung. Denn der Roman bedient sich einiger Stilmittel aus der Legendendichtung, wie bereits einem der ersten Kritiker, nämlich Hermann Hesse auffiel. Legenden erzählen ein religiöses Geschehen, worin vor allem heilige Personen und Wunder vorkommen.</p>
<p>Der Heißsporn Tarabas ist mit dem Mädchen Katharina zusammen und betrachtet sie als sein Eigentum; er ist furchtbar eifersüchtig. Ihren Arbeitgeber, ein Gastwirt, schlägt er eines Tages brutal zusammen und flieht daraufhin in der Meinung, er habe ihn zu Tode geprügelt. Er hält sich für einen Mörder, wie es die Wahrsagerin vorausgesagt hatte. Die Nachricht vom Krieg zwischen Österreich und Russland 1914 elektrisiert ihn und er entschließt sich, der „steinernen Stadt“ New York den Rücken zu kehren und wieder nach Europa zu gehen und in den Krieg zu ziehen. Er verlässt Katharina ohne Schuldgefühle und vergisst seine Missetaten scheinbar schnell. Tarabas ist wahrlich kein sympathischer Mensch, er gehört zu denen, die sich leicht berauschen lassen, deren Herzen unergründlich sind und bei denen man immer mit Überraschungen rechnen muss. Ein Mensch extremer Emotionalität, ohne inneren moralischen Kompass.</p>
<p>Bevor er in den Krieg zieht, besucht Tarabas noch seine Eltern. Hier wird er jedoch enttäuscht, da sie ihn als heimgekehrten Sohn nicht mit offenen Armen aufnehmen. So hatte er es sich nämlich ausgemalt, wie im biblischen Gleichnis vom verlorenen Sohn im Lukasevangelium. Stattdessen behandelt man ihn zu Hause allzu gleichgültig. Und als er seine Cousine Maria wollüstig verführt, wird er vom Vater fort gejagt. Man kann in diesem gescheiterten Versöhnungsversuch ein Gegenbild zu jenem biblischen Gleichnis sehen, denn bei Tarabas fehlt die innere Wandlung und ehrliche Reue und bei den Eltern die Bereitschaft, den Sohn trotz seiner Verfehlungen wieder in ihre Herzen aufzunehmen.</p>
<p>Der erste Weltkrieg wird nun seine Heimat. Eine große und blutige Heimat. Als Soldat ist er ganz in seinem Element und kann seine wilden Triebe und seine hitzige Natur ausleben. Er wird Offizier und führt seine Untergebenen mit eiserner Hand. Der Krieg ist für ihn eine „großartige“ und herrliche Sache. Man schießt einfach, greift an und verteidigt, man bringt andere um, man krepiert. Er lernt die schwere Trunkenheit kennen und die flüchtige Liebe. Vergessen und ausgelöscht sind elterliches Haus und Hof, Vater und Mutter und die Cousine Maria.</p>
<p>Roth zeigt die Verrohung eines Menschen im Krieg, denn Tarabas gibt sich ganz dem Kriegsgemetzel hin: dem Totschlag, der Liebe, Eifersucht, dem Aberglauben, dem Morden, der Grausamkeit, dem Trunk und der Verzweiflung. Tarabas ist freilich kein naiver und selbstmörderischer Draufgänger, er weiß seine Person mit der Aura von Autorität zu umgeben, die immer subtil mit Gewalt droht: folgst du mir nicht freiwillig…</p>
<p>Bei seinen Soldaten ist er daher gefürchtet, aber auch beliebt, weil er mit Haut und Haaren Soldat ist. Noch ist er der gewaltige und starke Tarabas, vom Hochmut erfüllt. Ein Hochmut, der – wie es heißt -den Mächtigen dieser Erde die Vernunft raubt.</p>
<p>Eines Tages begegnet Tarabas einem fremden Soldaten: es ist ein rothaariger Jude und es ist Sonntag. Der Abergläubige sieht darin wieder eines jener Zeichen für seine schlimme Zukunft. Von diesem Tage an beginnt sich die Welt des Hauptmanns Tarabas zu verändern, wie es wieder in dunkler Vorankündigung heißt. Der Roman über einen entgrenzten, hemmungslos-wilden Mann, dem das eigene Leben und das Leben der anderen nichts bedeutet, nimmt nun das bedeutende Thema des Verhältnisses des Christentums zum Judentum auf. Ich erinnere daran, dass der Roman 1934 in Roths Exil, also nach der Machtergreifung Hitlers geschrieben wurde. Warum Tarabas gleich zu Beginn der Erzählung als Katholik bezeichnet wird, erhellt sich erst in dem nun Folgenden.</p>
<p>Nachdem der Krieg 1918 beendet ist, steigt Tarabas aus den Trümmern der alten Armee als neuer Oberst der neuen auf und bekommt den Auftrag, in der Garnison Koropta ein Regiment aufzustellen. Auch hier führt er sein soldatisches Leben weiter. Mehr noch als der Schnaps wärmt ihn die Eitelkeit  als kleiner König anerkannt zu sein, wärmt ihn die untertänige und oberflächliche Freundschaft der Offiziere, wie es heißt. Doch das bei ihm lange untergründig vermutete Unheil tritt dann tatsächlich ein, und zwar in Form eines großen, blutigen Progroms gegen die Juden in dem Städtchen Koropta. Was für die Juden jedoch Unheil bringen wird, wird für den Christen Tarabas zum Segen und Heil, zum Auslöser einer Wandlung zum Besseren.</p>
<p>Als übermütige Soldaten im Wirtshaus auf eine Mauer schießen und dadurch der Putz von der Wand bröckelt, kommt ein Altarbild, das selige Angesicht der Muttergottes, zum Vorschein. An dieser Wand stand einmal ein Altar. Die betrunkenen Soldaten werfen nun dem jüdischen Gastwirt Nathan Kristianpoller vor, die Mutter Gottes mit billigem Kalk beschmiert und unter Mörtel begraben zu haben. Ein Frevel des Juden gegen die Christenheit. Daraus entwickelt sich ein blutrünstiger Progrom gegen die Juden in der Stadt, zu dem sich die Christen in der Stadt leicht aufwiegeln lassen. “Eifriger als der eifrigste Glaube ist der Hass.“ In den Christen erwacht rasend schnell eine unbezwingbare Gier, die Juden zu schlagen und zu treten. Sie werden auf die Straßen gejagt und ihre Häuser angezündet.</p>
<p>Tarabas kann nicht eingreifen, weil er betrunken ist. Als er wieder nüchtern ist, sieht er die unüberwindliche Mauer aus Hass, Misstrauen und Fremdheit, die &#8211; wie vor tausenden Jahren -zwischen Christen und Juden steht. Der Antijudaismus wird von Roth als eine Art von „christlichem“ Aberglauben dargestellt, und das Pogrom zeigt, wie dieser Aberglauben von Agitatoren ausgenutzt wird. Der Aufwiegler namens Ramsin weist nicht nur durch seine Fertigkeit als Maler und „sein pechschwarzes Haarbüschel, dass er nicht ohne Eitelkeit in die Stirn fallen ließ“, eine deutliche Ähnlichkeit mit Hitler auf.</p>
<p>Joseph Roth stellt den Aberglauben und Judenhass der Leute eng neben ihr Selbstverständnis als Christen, die in der Verehrung für jemanden besteht, der immerhin die unbedingte Liebe gepredigt hat. Hass und Liebe, Progrom und Feier, beides vereint in denselben Menschen.  Roth zeigt hier ganz radikal die Widersprüchlichkeit im Guten wie im Bösen und die Irrationalität des Menschen auf. Denn die Judenverfolgung hindert die Leute nicht daran, sich weiter als Christen zu verstehen. So machen sich die Bauern der Gegend nach dem Pogrom in langen Prozessionen auf in die Stadt Koropta &#8211; unter frommen Gesängen, geführt von Geistlichen in weißen Gewändern. Sie pilgern an den abgebrannten Häusern der Juden vorbei zum freigelegten Altarbild im Wirtshaus. Dieses eine Bild christlicher Prozession entlang der eigenen Schandtaten bringt die ganze Widersprüchlichkeit, die wie selbstverständlich hingenommen wird, auf den Punkt.</p>
<p>Joseph Roth stellt nüchtern fest, dass in diesem Volk, das schon 300 Jahre christlich getauft war, dennoch nach einem fröhlich verbrachten Markttag, nach ein paar Gläsern Bier und beim Anblick eines lahmen Juden ein alter Heide erwacht. Mit deutlichem Blick auf den Beginn der Naziherrschaft ab den 1933er Jahren wird deutlich, wie dünn die Schicht des Humanismus und des Christentums eigentlich ist und wie schnell die Menschen dies wegwischen und sich zu barbarischen Schandtaten hinreißen lassen.</p>
<p>Überhaupt kommen die Christen in diesem Roman nicht gut weg. Schon die Zurückweisung des Tarabas durch die Eltern zeigt, wie fern sie dem christlichen Liebesgebot sind. Und während die Christen im Dorf Koropta nach dem wütenden Progrom an den wehrlosen Juden wieder schnell zur Tagesordnung übergehen als wäre nichts geschehen, gehört die Sympathie des Lesers eindeutig dem Juden Nathan Kristianpoller, Vater von 7 Kindern, der die Horde von betrunkenen Soldaten in seinem Wirtshaus ertragen und Tarabas dort wohnen lassen muss. Lange bangt der Leser um sein Leben, das am seidenen Faden der Launen der Soldaten hängt. Anhand dieser Person zeigt Roth in aller Drastik, dass trotz der dienerischen und entwürdigenden Haltung gegenüber den Christen das Überleben eines Juden von Willkür und Zufall abhängt.</p>
<p>Eines Tages erwischt Tarabas den Juden Schemarjah dabei, wie er heimlich die halbverbrannten Torarollen beerdigen will. Völlig außer sich und wutentbrannt reißt er dem armen Juden ein Haarbüschel aus seinem Bart aus. Er ist über sein Verhalten so entsetzt, dass sich endlich eine tiefe Stimme in ihm regt: „es ist ein verdorbenes Leben, dass du seit Jahren führst. Es begann im dritten Semester deiner Studien. Niemals hast du gewusst, was dir angemessen ist. Das Heim, Katharina, New York, Vater und Mutter, Maria, die Armee, den Krieg verloren. Viele hast du sterben lassen, viele hast du umgebracht.“ Er geht mit sich ins Gericht: was nutzen mir alle Schlachten, die ich mitgemacht habe? Was bedeuten alle Schrecken, die ich erlitten und die ich selbst verursacht habe, wenn ich, der abscheuliche Tarabas, doch den größten Schrecken in meiner eigenen Brust trage. Er begreift schlagartig und rücksichtslos, dass er ein Elender ist. Sein Vater habe ihn durchschaut, manch andere noch haben erkannt, dass er die Welt betrügt und sich selbst. Die Uniform, die er hochmütig spazieren führte, war nichts als eine Maskerade seiner Schwäche und moralischen Verwerflichkeit.</p>
<p>Die Prophetie der Wahrsagerin in New York tritt halbwegs ein. Tarabas wurde kein Mörder im eigentlichen Sinne, aber doch ein Halunke. Und später ändert er sein Leben, wenn er auch kein Heiliger wird, so geht er doch den Bußgang eines zur Einsicht gekommenen Menschen. Seine Vorbildlichkeit liegt darin, dass er die Kraft hat, seine Schlechtigkeit und seine Vorurteile zu überwinden, und dass er aus dem unversöhnlichen Gegeneinander von Juden und Christen zu einem respektvollen Miteinander findet. Dies findet Ausdruck in seiner immer wohlwollenderen Beziehung zu seinem Gastwirt, dem Juden Kristianpoller, und vor allem in der ehrlichen Bitte um Verzeihung bei dem alten Juden Schemarjah. Tarabas erkennt nicht nur die Falschheit seiner Vorurteile gegenüber Juden, sondern er ändert auch radikal sein Leben und büßt fortan auch für die durch seine Taten entstandenen Leiden. Diese Wandlung wird glücklicherweise nicht schwülstig ausgebreitet und mit dem moralischen Marker fett unterstrichen, sondern wie nebenbei erzählt. Joseph Roth ist ein Meister, das Bedeutsamste nicht direkt auszusprechen, sondern leichthin in eine Geschichte zu wattieren.</p>
<p>Tarabas wird also vom Saulus zum Paulus. Auch hier wieder ein deutlicher religiöser Anklang an die Legendendichtung. Er legt die Uniform ab, zieht Zivilkleider an und wird Landstreicher. Sein Weg führt ihn wieder nach Hause zu Vater und Mutter, die noch leben. Doch er erlebt wieder eine Enttäuschung. Solange er sich noch gescheut hatte, das väterliche Haus zu betreten, waren Vater, Mutter, Schwester und die Heimat in ihm Sehnsuchtsorte, das Ferne war ihm so nah und lebendig gewesen. Nun erkennt er, dass es eine törichte Sehnsucht war. Das jetzt so nah vor ihm Liegende ist plötzlich unerreichbar fern. Der Vater ist inzwischen ein fremder und lahmer Mann und die Mutter eine furchtsame, grauhaarige Torin, die ihn gar nicht mehr erkennt. Auch wenn sie ihn erkannt hätten, hätten die Eltern ihn nicht mehr in ihre versteinerten Herzen aufgenommen. Die Zeit für eine Versöhnung mit den Eltern ist vorbei, diese Chance wurde verpasst. Enttäuscht stellt Tarabas fest, dass seine Eltern wie bewegliche Mumien seien, in denen sie selbst begraben sind. Dies ist wieder eine jener Szenen, in denen Roth schonungslos, die Kälte christlicher Herzen, aber auch die seelischen Abgründe von Menschen, verbunden mit ihrem körperlichen Verfall, aufzeigt. Bei Tarabas wird später beides unter umgekehrten Vorzeichen verknüpft: seine Krankheit, die zu seinem Tod führen wird, steht in Gegensatz zu seiner seelischen Gesundung.</p>
<p>Tarabas schlägt sich danach wieder nach Koropta durch und wird krank. Am Ende seines Lebens bittet er den Juden Schemarjah um Vergebung und Verzeihung, die dieser ihm auch gewährt. Auch hierin wird wieder der Gegensatz zu den Christen deutlich: während die christlichen Eltern die Vergebung verweigern bzw. dazu nicht mehr in der Lage sind, wird sie ihm durch den Juden zuteil.</p>
<p>Im Abspann vermerkt der auctoriale Erzähler rückblickend 15 Jahre nach dem Tod von Tarabas, dass die Menschen längst alle diese schrecklichen Dinge vergessen haben. Sie vergessen die Angst, den Schrecken, sie wollen schließlich leben, sie gewöhnen sich an alles. Sie vergessen allerdings auch das Wunderbare, sie vergessen das Außerordentliche sogar schneller als das Gewöhnliche.</p>
<p>Dieser fast schon geschichtsphilosophische Rückblick im Roman zeigt die Figuren als flüchtige, ephemere Wesen des Tages, die schnell vergessen. Sie vergessen das Böse, aber leider auch das Wunderbare, das, was sie Gott näher bringen würde. Menschliches Leben ist so gesehen ein ständiger Wandel von Furchtbarem zu Heiligem, beides höchst unbeständig und stets bedroht, ins Gegenteil umzuschlagen. Joseph Roth zeigt sich einmal mehr als der illusions- und schonungslose Erzähler seelischer Abgründe und menschlicher Unbeständigkeit.</p>
<p>Im Dezember 2024</p>
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		<title>Hubertus Halbfas &#8211; Glaubensverlust</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Nov 2024 10:45:44 +0000</pubDate>
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<div>Patmos Verlag</div>
<div>128 Seiten</div>
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<p>Alles zurück auf Anfang. Hubertus Halbfas plädiert in seinem Buch dazu, dass sich das Christentum wieder auf seine Wurzeln zurück besinnen sollte. Was ist damit gemeint?</p>
<p>Folgt man dem Autor, dann verdanken wir besonders Paulus eine folgenschwere Verdrängung des historischen Jesus. Was Jesus interessierte, war eine neue Lebensordnung, die er als göttliche Lebensordnung verstand. Paulus dagegen ging über alles hinweg, was Jesus zu seinen Lebzeiten bewegte und lehrte, nämlich eine Reich-Gottes-Botschaft. Mit ihm begann dann eine bis heute das Christentum prägende, Jesus verfälschende Verkirchlichung.</p>
<p>Was stellt Paulus dem Evangelium Jesu an die Seite? Den Kreuzestod und die Auferstehung Jesu, die seine gesamte Theologie trägt. Demnach bedufte es eines Sühnetodes Jesu, um die Menschen mit Gott zu versöhnen. Während das Evangelium Jesu noch uneingeschränkte Freudenbotschaft hieß, so kommt nun ein drohender Unterton von Glaubensgehorsam auf. Paulus stellt in den Mittelpunkt eine theologische Lehre, die Jesus so nie im Sinne hatte, nämlich die Lehre, dass er für unsere Sünden gestorben sei.</p>
<p>Bei Jesus steht vielmehr der praktische Appell im Vordergrund, die Wahrheit der Liebe. Nur dort, wo die Liebe zum Nächsten gelebt wird, wird die freimachende, erlösende Wahrheit, von der das Evangelium spricht, erfahren. Diese Wahrheit muss nicht geglaubt, nicht bewiesen und nicht verteidigt werden. Verlangt wird einzig Sensibilität, Mitmenschlichkeit und Mitgefühl für alles Leben.</p>
<p>Im Einklang mit Nietzsche zeigt Halbfas, dass Jesus die Menschen nicht erlösen, sondern zeigen wollte, wie man zu leben hat. Jesus vertrat nicht einen Glauben, sondern forderte eine Lebensweise ein, die er als allein göttlich ansah. Die Summe seiner Lehre findet sich so ausgedrückt: „alles, was ihr wollt, dass es euch die Menschen tun, das sollt auch ihr Ihnen tun. Denn darin besteht das Gesetz und die Propheten“ (Mt 7,12). Die Göttlichkeit bewahrheitet sich an jedem guten und liebenden Menschen.</p>
<p>Gott steht hier für eine ganz bestimmte Art, die Welt zu verstehen. Christologie ist Anthropologie. Das bedeutet, Religion ist Auslegung des menschlichen Daseins, eine Interpretation der menschlichen Existenz im Angesicht der Wirklichkeit. Das Göttliche artikuliert letztlich den Sinn, in dem die Welt für den Menschen einen inneren Zusammenhang und Bedeutung erhält. Gott verstehen wir nur insofern, als wir uns selbst der von uns ergriffenen Welt verstehen. Es kommt für uns daher auch heute darauf an, das Göttliche, das Jesus erfüllte, zum Durchbruch zu bringen, also ans Licht der Welt.</p>
<p>Halbfas kritisiert das Festhalten der Kirche an der paulinischen Glaubensdoktrin. Die fundamentale Krise des Glaubens und des Kirchensystems ist daher selbst verschuldet, weil es ein System ist, das sich selbst absichert und nicht die Kraft hat, jene Doktrin über Bord zu werfen. Kirche ist reformunwillig und reformunfähig.</p>
<p>Ein lebendiges katholisches Christentum habe aber nur dann eine Zukunft – so Halbfas &#8211; , wenn es sich auf eine neue Grundlage stellt und sich von ihrem Gründer aus neu erfindet.</p>
<p>November 2024</p>
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		<title>Michael Krüger &#8211; Verabredung mit Dichtern</title>
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		<dc:creator><![CDATA[MKasperzyk]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 Nov 2024 06:35:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
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<div>Erinnerungen</div>
<div>Suhrkamp Verlag</div>
<div>447 Seiten</div>
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<p>Michael Krüger ist ein furioser Erzähler, dem man stundenlang zuhören kann. Wer jemals einem Gespräch oder einer Lesung mit Michael Krüger beiwohnen konnte, wird dies bestätigen. Derart angeregt und neugierig geworden habe ich seine Biographie auch gekauft.</p>
<p>In diesem leicht lesbaren Buch erzählt er lebhaft von seiner Kindheit und Jugend (das Strandbad Wannsee in Berlin spielt eine große Rolle), wie er zum Literaturbetrieb kam und mit welchen Autoren und Menschen aus dem Literaturbetrieb er im Laufe seines Lebens zu tun hatte. Das alles nicht im aufzählenden, trockenen Ton, sondern sehr eindringlich und anekdotenhaft, und man merkt dem 80-jährigen Autor seine Begeisterung für die Literatur und die Menschen an, denen er begegnet ist. Von diesen Menschen spricht er immer in einem warmen Ton und mit einer großen Empathie. Ihre Skurrilitäten (etwa Alkoholismus oder Frauengeschichten) werden ohne jeden Voyeurismus leichthin erwähnt, ohne sie von moralischer Seite aus zu beurteilen oder gar zu verurteilen.</p>
<p>So sagt er von Christian Enzensberger, dem Bruder von Hans Magnus Enzensberger, er „war einer der klügsten und schrägsten Menschen“, die mir begegnet sind. Oder über Ute und Jürgen Habermas wird festgehalten, dass sie über ein phänomenales Gedächtnis verfügen. „Es war ein Vergnügen, Ihnen zuzuhören.“</p>
<p>Hier nur eine Anekdote aus der Kindheit: sein Großvater, der ein Glasauge hatte, sagte oft, wenn man es falsch herum einsetzt, kann man nach innen sehen, in den Kopf hinein, wo die Gedanken leben. Solche Bilder prägen sich natürlich ein.</p>
<p>Krüger vermittelt von sich, ein Mensch der leichte Lebensart zu sein, nach dem Motto: Leben und leben lassen. Als er im Hotel in Paris einmal in die Ritze eines Sessels griff und eine Peitsche zum Vorschein kam, so erzählt er, flüchtete seine Freundin und ward nie mehr gesehen. Zu dieser leichten Lebensart gehört auch seine seltsame Wahl des Berufes, denn er schwankte in jungen Jahren zwischen Philosoph und Box-Promoter. Schließlich war die einzig erstrebenswerte Existenz, die er sich vorstellen konnte, ein Dichter zu sein.</p>
<p>Natürlich schreibt Krüger über eine Vergangenheit, die den Jüngeren unter uns nicht präsent sein kann. Es ist eine längst untergegangene Zeit, in denen das Glanzstück des Sonntagsgerichtes Toast Hawaii war. Eine Zeit als die Kataloge von Beate Uhse noch von den Postbeamten in die eigene Tasche gesteckt und mit nach Hause genommen, anstatt den Kunden in die Briefkästen geworfen wurden.</p>
<p>Schon durch seinen Vater kam er mit Geistesgrößen der damaligen Bundesrepublik zusammen, denn der Vater war mit aller Welt bekannt, wie dem Gräzisten Uvo Hölscher, dem Theologen Helmut Gollwitzer oder Gerhard Nebel – damals bekannte Namen.</p>
<p>Krüger hat nie studiert, sich aber in die Branche hineingefuchst und sich früh für die Literatur begeistert. Autoren, die für ihn wichtig waren, waren neben französischen Autoren Emily Dickinson, Hart Crane oder Paul Celan. Oder damals auch Samuel Beckett. Im Buch findet sich das „who ist who“ der Literatur seiner Zeit: alle seine schwedischen, israelischen, holländischen oder polnischen Freunde.</p>
<p>Für denjenigen, der diese Zeit halbwegs miterlebt hat und sich für Literatur interessiert, ist das Buch ein Lesevergnügen.</p>
<p>Im November 2024</p>
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		<title>Haruki Murakami &#8211; gefährliche Geliebte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[MKasperzyk]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Nov 2024 15:01:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
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<p>Sympathisch ist die Hauptfigur Hajime sicher nicht. Gleich zu Anfang heißt es von ihm, er sei ein Einzelkind mit einem Minderwertigkeitskomplex, der sich selbst als verzogen, schwach und egozentrisch sieht. Diese Adjektive beschreiben ganz gut diesen Menschen. Und ob er diese Schwächen im Laufe seines Lebens überwindet und verarbeitet, ist eine offene Frage, von deren Beantwortung das Urteil des Lesers abhängen dürfte. Als zwölfjähriger heranwachsender Bub verliebt er sich in seine Mitschülerin Shimamoto. Die „Liebe“ bleibt unerfüllt, weil beide noch zu jung sind. Sie brennt sich aber dauerhaft in das Gedächtnis von Hajime ein.</p>
<p>Später verliebt sich der Protagonist in das Mädchen Izumi, die er jedoch bald mit ihrer Cousine betrügt. In Hajime steckt eine tiefe Sehnsucht nach der wahren und einzigen Liebe. Allerdings verquickt sich diese Sehnsucht, aus der ja etwas Fruchtbares und Produktives entstehen könnte, mit der oberflächlichen sexuellen Lust, die er ebenso sucht und findet:</p>
<p>„Vom ersten Augenblick an wusste ich, dass ich mit diesem Mädchen schlafen wollte.“</p>
<p>Obwohl er in die Cousine von Izumi nicht verliebt ist, suchte er im Sex mit ihr das Gefühl einer elementaren, wütenden und ungezähmten Gewalt.</p>
<p>Seine Freundin Izumi verletzt er mit diesem Betrug so sehr, dass sie sich davon nie wieder erholen und ihm dies auch nie verzeihen wird. Hajime erkennt, dass er an seiner Freundin schuldig geworden ist, aber er beruhigt sich mit den Worten:</p>
<p>„niemand kann die Verantwortung für einen anderen übernehmen.“</p>
<p>Jeder müsse eben mit seinem Leben alleine klar kommen. Auch hier verquickt sich einerseits die Einsicht in die eigene Schuld am Unglück anderer mit einer gleichzeitig oberflächlichen Haltung, dass jeder eben für sein eigenes Schicksal verantwortlich ist.</p>
<p>Mit 30 Jahren heiratet er Yukiko, mit der er zwei Kinder hat. Ihr Vater, ein reicher und gerissener Bauunternehmer, der nicht immer mit ehrlichen Mitteln arbeitet, gibt ihm Geld, um zwei elegante Jazz Bars zu eröffnen. Diese betreibt er erfolgreich, und führt erst einmal ein glückliches Leben: gut verheiratet, zwei Kinder, guter Job, attraktiv.</p>
<p>Shimamoto, seine „erste Liebe“, tritt dann plötzlich und ganz mysteriös wieder in sein Leben. Eines Tages glaubt er nämlich, sie auf der Straße zu erkennen. Er verfolgt sie, traut sich aber nicht, sie anzusprechen. Plötzlich wird er von einem kräftigen Mann festgehalten, der ihm unmissverständlich klar macht, dass er die Finger lassen soll von der verfolgten Dame. Und er übergibt ihm ein Kuvert mit 100.000 Yen, den er später nicht mehr dort findet, wo er ihn deponiert hat. Wer war dieser Mann, vielleicht der Liebhaber der Frau?</p>
<p>Eines Tages sitzt diese mysteriöse und schöne Frau am Tresen seiner Bar. Und sofort erinnert sich Hajime an ihr Zusammensein mit zwölf Jahren. In den weiteren Gesprächen und Begegnungen versichern sich beide, dass sie all die Jahre immer nur an den anderen gedacht haben. Beide finden, dass die Zeit damals, als sie im Wohnzimmer saßen und zusammen Musik hörten, vielleicht die glücklichste in ihrem Leben war. Es ist die Erinnerung an eine unbeschwerte Jugend und die erste Liebe, die, weil sie nicht gelebt wurde, schön und rein war.</p>
<p>Diese Wiederbegegnung bringt den Protagonisten nun völlig aus der Bahn seines bisher glücklichen Lebens. Seine Frau belügt er, um mit Shimamoto zusammen zu sein. Im Laufe der Zeit offenbaren sie ihre Gefühle für einander und versuchen, obwohl sie wissen es ist unmöglich, an die alte, vergangene Liebe anzuknüpfen.</p>
<p>Seltsamerweise versucht Hajime  gar nicht, diese Frau näher kennenzulernen und gibt sich mit ihren Ausflüchten zufrieden. Sie will mich, denkt er, und ich will sie. Aber was erfahren wir von dieser Frau? So gut wie nichts. Sie verschwindet immer wieder für einige Wochen, um dann wieder aufzutauchen. Eine Frau, die von sich behauptet, dass sie in ihrem ganzen Leben nicht einen Tag gearbeitet hat. Ihr einziges Kind war kurz nach der Geburt gestorben.</p>
<p>Schließlich kommt es doch zu einer Liebesnacht mit Shimamoto, deren sexuelle Details genüsslich ausgebreitet werden. Er entschließt sich, sein Leben zu ändern, seine Frau und Familie zu verlassen und mit der Geliebten zusammen zu leben. Doch die Liebe ist von einem Unstern verfolgt. Denn bei Shimamoto handelt es sich um einen Art „Todesengel“, der die Absicht hat zu sterben, und zwar zusammen mit ihm. Aber irgendetwas hat sie davon zurückgehalten. Nach der Liebesnacht verschwindet sie spurlos, und zwar endgültig.</p>
<p>Obwohl unser Held zuvor fest entschlossen war, seine Familie zu verlassen, bleibt er nun doch bei ihr. Es scheint, dass Hajime durch den Genuss der einen Liebesnacht mit Shimamoto und durch ihr Verschwinden, befriedigt ist und das weitere Interesse an ihr letztlich verloren hat. So gesehen bleibt er weiter schwach und egoistisch.</p>
<p>In einer anderen Lesart jedoch überwindet er seine Schwäche. Nämlich dann, wenn man – wofür einiges spricht – die Begegnungen mit Shimamoto lediglich als geträumte und herbeigesehnte ansieht. Demnach gelingt Hajime gerade in dieser traumhaften Wiederbegegnung letztlich eine produktive Verarbeitung seiner ewigen Sehnsucht nach Erfüllung einer nicht gelebten Liebe. Er löst den Knoten, der ihn sein ganzes Leben letztlich in allen Beziehungen mit Frauen unglücklich gemacht hat. Er löst sich von der Überhöhung der ersten Liebe, die alle weiteren Beziehungen belastet hat. Mit anderen Worten: nachdem er die tatsächliche Liebe mit Shimamoto träumerisch durchgespielt hat, kann er &#8211; befreit von diesem Alpdruck &#8211; zurück zu seiner Familie, um hierin seine Erfüllung zu finden.</p>
<p>Für diese Lesart spricht einiges, denn Shimamoto verschwindet ganz so wie ein Traumgebilde. Und wenn sie in der geträumten Liebesnacht sagt:</p>
<p>„Morgen werde ich dir alles erzählen. Wenn ich es dir jetzt erzähle, kannst du nie wieder so sein wie zuvor. Ich wünschte, es würde niemals morgen, sagte sie. Dann würdest du es nie erfahren,“</p>
<p>dann wird Hajime in diesen Worten vielleicht klar, dass die gelebte Liebe die überhöhte, erinnerte Liebe endgültig zerstören würde. Mit dieser Einsicht befreit er sich dann von der Sehnsucht nach der Erfüllung einer unerfüllbaren Liebe.</p>
<p>Das Buch führte im literarischen Quartett im Jahr 2000 zum Eklat und zum Zerwürfnis zwischen dem Literaturkritiker Reich-Ranicki und Sigrid Löffler. Während jener das Buch unter Verweis auf die sanfte Liebesgeschichte lobte, verriss Frau Löffler das Buch. Beide sind über das Ziel hinausgeschossen, beide haben in gewisser Weise aber Recht.</p>
<p>Murakami verzaubert nicht mit seinem Text, die Sprache ist direkt, die Sätze sind einfach gebaut und wenig poetisch. Allerdings wird der Leser durchaus in den Sog der Geschichte hinein gezogen, weil man doch neugierig ist, wie die Geschichte um die mysteriöse Shimamoto weitergeht. Und die Doppelbödigkeit (Lust und wahre Gefühle, Kraft der Erinnerung und Hemmung durch sie) sollte man nicht übersehen.</p>
<p>„Gefährliche Geliebte“ ist sicher auch ein Buch über den Verfall und die Unbeständigkeit allen Glücks sowie die Unwiederbringlichkeit von allem. Das Buch mahnt daher auch an die traurige Wahrheit, dass nichts rückgängig gemacht werden kann.</p>
<p>Im November 2024</p>
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		<title>Han Kang &#8211; Griechischstunden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[MKasperzyk]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Oct 2024 13:01:59 +0000</pubDate>
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<p>Erzählt wird die langsame Annäherung der beiden, die jeweils in ihrer eigenen Gedanken- und Traumwelt leben. Doch wer hier eine amouröse Liebesbeziehung wittert, geht fehl. Wir erfahren von den beiden scheinwerferartig das Notwendigste in Rückblenden auf ihr Leben. So erlebte der Mann die prägenden Ereignisse seines Lebens in Deutschland, wohin seine Familie übersiedelte. Er war da 15 Jahre alt und 31 Jahre als er wieder nach Korea zurück kehrte.</p>
<p>Das meiste spielt sich also im Bewusstsein der beiden Protagonisten ab. Ihre körperlichen Gebrechen führen dazu, dass sie mehr als andere Menschen sich mit sich selbst beschäftigen müssen und können. Dieses Romansetting erlaubt der Autorin in dieser Beschäftigung mit sich selbst die existenzielle Fragen aufzuwerfen.</p>
<p>Die Sprache des Romans ist von einer eleganten und poetischen Qualität. Feinsinnig beleuchtet der Roman eine Begegnung zwischen zwei Menschen, die sich jenseits von verbaler Kommunikation ereignet. Sprache (bei der Frau) und Blicke (bei ihrem Lehrer) fallen als Medium der Begegnung aus. Das erschwert die Verbindung einerseits, macht die gegenseitige Annäherung aber umso sensibler, feiner und bedeutsamer. So verständigen sich die beiden, indem die junge Frau mit ihrem Zeigefinger langsam und deutlich auf seiner Haut, auf die Innenfläche seiner Hand schreibt. Es ist eine Annäherung im Schweigen. Kang beschreibt dies in einem wunderschönen Bild: „wenn der Schnee ein Schweigen ist, das vom Himmel fällt, dann ist der Regen vielleicht ein endloser Sturzbach aus Sätzen.“ Das leichte Fallen des Schnees beschreibt sehr schön die gegenseitige und schweigsame Anziehung der beiden.</p>
<p>Währen der Lehrer sich zu der stummen Frau zunehmend hingezogen fühlt, entdecken die beiden, dass ein tiefer Schmerz sie verbindet. Sie hat in nur wenigen Monaten sowohl ihre Mutter als auch den Kampf um das Sorgerecht für ihren neunjährigen Sohn verloren. Für ihn ist es der Schmerz, zwischen Korea und Deutschland aufgewachsen zu sein, zwischen zwei Kulturen und Sprachen hin und her gerissen zu sein. Eine sich anbahnende Liebe muss vielleicht erst durch Schwierigkeiten, oder sogar den Schmerz hindurch gehen, wenn sie tief und fest sein soll – so die offene Frage.</p>
<p>Auch hierfür gibt es im Buch eine gelungene Sentenz: „Schönheit ist schön, Schönheit ist schwierig, Schönheit ist vornehmen.“ Schwierig ist das Ganze schon deshalb, weil die Stille der Frau für den Mann erschreckend ist und ihn an sein Gefühl erinnert als er noch als Kind den toten Körper seines Vogels beerdigte. Die Stille ist also nicht nur das Medium einer sensiblen Annäherung der beiden, sondern auch der Vorhof des Todes. Liebe und Tod werden so ganz subtil miteinander in Verbindung gebracht.</p>
<p>Eine weitere schon vom Philosophen Sokrates aufgegriffene Verbindung scheinbarer Gegensätze findet sich in den Wörtern „leiden“ und „erkennen“; Worte, die im Altgriechischen sehr ähnlich aussehen und klingen. Beides hat tatsächlich mehr miteinander zu tun hat, als es auf den ersten Blick erscheint.</p>
<p>Den Roman sollte man mindestens zweimal lesen, um die vielen Andeutungen und Verweise aufeinander zu verstehen. Wie heißt es an einer Stelle: „Alles besteht aus Bruchstücken, alles zerbricht in Bruchstücke. Und verschwindet.“ Aber bevor es verschwindet, ist es Wert, diese Bruchstücke zu einem Mosaik des Lebens zusammen zu fügen. Der Roman folgt dieser Spur in seiner bruchstückhaften Struktur. Er entwirft ein sehr feines Netz an Bedeutungsebenen (u.a. Tod und Stille, Liebe und Schmerz, tote Sprache und Sensibilität für das Wesentliche), die sich dem Leser nicht leicht erschließen.  Ein sehr lesenswerter, berührender und gedankenreicher Roman.</p>
<p>Im November 2024</p>
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