Veranstaltungen

Literarische Soiree


Wir laden Sie ein, an unseren gemeinsamen Veranstaltungen, Reisen und Lesungen an besonderen Orten, teilzunehmen. Weiteres erfahren Sie in der jeweiligen Veranstaltungsbeschreibung.

Wir wurden vielfach angesprochen, warum wir dieses Jahr 2026 keine Veranstaltung anbieten. Es ist schön, wenn wir vermisst werden. Der Grund liegt einfach darin, dass wir bisher nicht die Zeit für die Vorbereitungen gefunden haben. Und wir wollen schließlich nichts dahinschludern. Aber 2027 wird auf jeden Fall wieder eine Wohnzimmerlesung stattfinden. Um die Wartezeit bis dahin zu verkürzen: hier ein kleiner Text, wie so eine Lesung überhaupt zustande kommt.

Zweig

Die Genese einer Wohnzimmerlesung

Wie kommt eine Wohnzimmerlesung zustande?

Am Anfang steht zwar das Wort, aber es verbirgt sich noch hinter einer Nebelwolke an Ideen, die sich erst nach und nach auflockert und schließlich verflüchtigt.

Es sollte jedenfalls etwas vom Schriftsteller Stefan Zweig sein, der sich im brasilianischen Exil 1942 das Leben nahm. Wir schätzen ihn nicht nur als Schriftsteller, sondern auch als überzeugten Europäer und Pazifisten. Ein Text von ihm war schnell gefunden, und zwar bot sich sein -kurz vor dem Tod fertig gestelltes, aber erst posthum erschienenes- Buch „Die Welt von gestern“ an. Stefan Zweig schildert hier „seine“ untergegangene Welt als eine Welt der Sicherheit und Stabilität. Er erinnert sich darin an das alte Wien der k.u.k. Monarchie mit seinem regen kulturellen Leben, in das Juden übrigens gut integriert waren.

Damit war für uns das Stichwort für eine Aktualisierung gegeben. Einerseits konnten wir in diesem Text seinen eigenen Lebensrückblick für die szenische Lesung herausdestillieren, andererseits konnten wir die Welt der Sicherheit, die auch für uns heute bedroht ist, gut auf unsere eigene Zeit beziehen.

Das Drehbuch, dass im Wesentlichen Sabina Kasperzyk überraschend zügig entwickelte, versucht hier eine harmonische Fügung beider Zeitepochen herzustellen. Wie wir glauben, und wie uns die durchweg positiven, ja begeisterten Reaktionen des Publikums zeigen, haben wir den Text Stefan Zweigs nicht im Übermaß „modernisiert“. Die aktuellen Bezüge sind deutlich geworden, aber wir müssen die Zuschauer auch nicht belehren und mit dem Zaunpfahl winken. Weniger ist hier mehr.

In die Vorstellung haben wir dann noch eine ergreifende und zum Nachdenken anregende Novelle von Stefan Zweig mit aufgenommen: Die unsichtbare Sammlung.

Was verstehen wir überhaupt unter einer szenischen Lesung? Nun, es darf auf keinen Fall zu lange dauern: eine Stunde und 15 Minuten, jedenfalls nicht viel länger. Eine solch kulturelles Ereignis soll die Menschen zusammen und ins Gespräch bringen. Wir können zwar einiges dafür tun, dass eine geistige Atmosphäre hierfür geschaffen ist, aber letztlich bleibt das Gelingen dem Geschick an diesem Abend vorbehalten. Es freut uns sehr, wie gut das dieses Jahr wieder gelungen ist.

Seit 2024 haben sich 6 Laiendarsteller zusammengefunden, auf die wir die einzelnen Rollen gut verteilen können. Es bedarf vieler Proben, um die Texte so vorzutragen, dass sie möglichst lebendig rüber kommen. Von der ersten völlig misslungenen Probe bis zur Generalprobe kurz vor der Vorstellung liegen wirklich Welten. Dabei bemühen wir uns, dass die ca. 45 Zuschauer in unserem Wohnzimmer Überraschendes zu sehen und zu hören bekommen. Musik und Hintergrundgeräusche, aber auch der Wechsel der Schauplätze gehören zwingend zu unseren Lesungen.

Und dann sind da noch die vielen Kleinigkeiten nicht zu vergessen, die zum Gelingen der Lesung beigetragen haben. Einmal mussten altmodische Hüte beschafft werden, eine alte Zeitung aus dem Wien der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, genügend Stühle oder das Gemälde „Die drei Bäume“ von Rembrandt; schließlich mussten auch noch die Musikstücke und Zuggeräusche gefunden und in die Lesung integriert werden usw… Nicht zu vergessen: auch für das leibliche Wohl musste gesorgt werden. Wir möchten uns hier bei allen bedanken, die mit Speis und Trank, und schönen Geschenken, dazu beigetragen haben. Viel Arbeit also für uns, aber auch viel, sehr viel Freude.

Geplant war die Lesung ursprünglich am 6. Juni 2025. Aber, ohje: wir übersahen ganz, dass an diesem Tage sich der Geburtstag eines anderen großen Schriftstellers jährte: Thomas Mann wäre an diesem Tage 150 Jahre alt geworden. Es war damit klar, dass wir dies nicht einfach übergehen konnten. Während wir schon in den Proben steckten, arbeiteten wir also noch eine kleine Geburtstagsszene mit Stefan Zweig und Thomas Mann ein, die sich ja auch kannten und besuchten.

Nach der Vorstellung ist vor der Vorstellung: wir stecken zwar wieder im Nebel, was die Lesung im Jahr 2026 angeht. Aber den Hauptprotagonisten haben wir schon fixiert. Lassen Sie sich überraschen!

September 2026/Martin Kasperzyk